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    <title>belledejour</title>
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    <pubDate>Fri, 05 Sep 2008 22:49:34 GMT</pubDate>
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      <link>http://belledejour.antville.org/stories/936173/</link>
      <description>&lt;P ALIGN="JUSTIFY"&gt;Er nahm mich einfach von hinten, die Sau. Ich hatte nicht damit gerechnet und es tat h&amp;ouml;llisch weh. Ich war 19 oder 20, er war 36 und ein leicht runtergekommener Schreiber. Journalist aus Hamburg, das imponierte dem kleinem M&amp;auml;dchen. Das mit dem Sekt auch. Das mit Cabrio, dem alten, auch. Das mit dem Essen gehen auch. Das mit der Narbe sowieso. Zudem Charme galore. Ich war aber nicht doof. Ich wusste ja was er wollte, aber ich war mir nicht sicher, was ich wollte. Einen Kerl, dessen Hemdkragen immer ein wenig speckig waren? Einen, der, wenn er besoffen war, immer von Beirut in den 80ern erz&amp;auml;hlte? Davon wie komisch es war, morgens beim Brot kaufen immer erst schauen zu m&amp;uuml;ssen, wie sich denn &amp;uuml;ber Nacht die Frontlinie  verschoben hatte, und ob die echt b&amp;ouml;sen Milizen jetzt die Stra&amp;szlig;eseite mit dem B&amp;auml;cker kontrollierten oder doch die anderen. Von den Einschussl&amp;ouml;chern, von den genervten Aufst&amp;ouml;hnen, wenn man schon wieder in den Keller des Hotels gehen musste, wo es aber eine Bar gab, die von einem verr&amp;uuml;ckten Nordiren gef&amp;uuml;hrt wurde, der immer lachte, und meinte, man solle mal eine Nacht in Belfast sein, das hier sei doch Kinderkacke. Von den zerfetzten K&amp;ouml;rpern, die man sich nicht ausmalen k&amp;ouml;nne. Die hatte er so oft gesehen. Auch im Iran ein paar Jahre fr&amp;uuml;her, als er noch jung war, und dachte, da k&amp;ouml;nne er die Geschichte seines Lebens schreiben, aber die Mullahs lie&amp;szlig;en ihn nicht, und warfen ihn raus. Das einzige was er sah, waren die vielen M&amp;auml;nner die an B&amp;auml;umen baumelten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war ein echter Gl&amp;uuml;cksfall in dem Moment. Ich war gerade verlassen worden, weil ich zickig war. Ich konnte all diese Jungs mit dem breiten Gang nicht mehr sehen, die ihre Finger auf das Blech ihrer Autos legten, als ob sie den Hintern einer Frau ber&amp;uuml;hren wollten. Und die eigentlich nur ficken wollten, um Montag abend nach dem Fu&amp;szlig;ball unter Dusche erz&amp;auml;hlen zu k&amp;ouml;nnen, dass sie am letzten Samstag gleich drei Finger in der M&amp;ouml;se ihrer Freundin hatten, die so geil und betrunken war, dass sie am Ende alles geschluckt hat. Alles sch&amp;ouml;n sauber geleckt, h&amp;ouml;rte ich da mal einen sagen, der nicht wusste, dass ich es h&amp;ouml;ren konnte, und dabei grinste er wie nach einem Lottogewinn. Sie gingen mir auf den Geist, die Jungens, die Halbstarken, mit den Breitreifen, aber auch die, die pl&amp;ouml;tzlich vergreisten, die pl&amp;ouml;tzlich geil aufs lernen wurden, auf das Jurastudium, oder BWL. Hey, darauf kann ich stolz sein, f&amp;auml;llt mir ein. Nie mit einem BWLer im Bett gewesen. Nur mit Maklern, Anw&amp;auml;lten und anderen Irren. Und einem Architekten. Damals gab es aber nur Jungens mit schlechtem Musikgeschmack und weiten Hosen. S. war da anders und er riss mich aus meiner drohenden Muffigkeit raus. Das war toll, mit ihm in der Hotelbar zu sitzen und seinen Geschichten zu zuh&amp;ouml;ren. Das war toll seiner sanften, b&amp;auml;rigen Stimmen zu lauschen. Das war toll seine leicht rauen H&amp;auml;nde auf meinem Bein zu haben. Er war ein guter Liebhaber und er machte mich f&amp;uuml;r Momente gl&amp;uuml;cklich mit seinem Gl&amp;uuml;ck. Manchmal weinte er nach dem Sex und dann sagte er immer, das er noch nie so gl&amp;uuml;cklich gewesen sei. Dann schlief er ein und ich lag dann noch da, mit pochendem Herzen, mit Gedankent&amp;uuml;rmen, die ich nicht abtragen konnte, eingeschlossen zwischen seinen Beinen, die mich festhielten und unentschieden zwischen dem Wunsch jetzt gleich zu gehen, oder doch noch mal zu warten. Mir war klar, dass das auf Dauer nicht gut gehen konnte, und ich hatte Angst, dass er pl&amp;ouml;tzlich Sachen wie "Heirate mich" sagen w&amp;uuml;rde. Ich hatte von den M&amp;auml;nnern, die so Mitte/Ende 30 waren, geh&amp;ouml;rt. Das waren die, die sich nie richtig entscheiden konnten, nie f&amp;uuml;r die richtige Frau, nie f&amp;uuml;r Kinder und die pl&amp;ouml;tzlich alles nachholen mussten. Kinder, Frau, Baum, Haus, Heirat, Hund, Tod. Das war, soviel war mir damals klar, ganz bestimmt nicht meine Nummer, denn ich wollte nach London um dort in Clubs viel zu trinken und distinguierte Engl&amp;auml;nder kennen zu lernen. Es ging ein paar Monate gut. Manchmal sehr gut, manchmal gar nicht gut. Irgendwann war er betrunken an der Bar und erz&amp;auml;hlte wieder diese Geschichte von dem jungen M&amp;auml;dchen, dass da vor seinen Augen, vielleicht drei Meter entfernt von einem Scharfsch&amp;uuml;tzen erschossen wurde, und dann da lag und st&amp;ouml;hnte, und er wollte ihr helfen, aber sein libanesischer Kollege hielt ihn zur&amp;uuml;ck, weil das eine Falle war, weil der Scharfsch&amp;uuml;tze nur noch einen haben wollte und die Frau war der K&amp;ouml;der. Seine Augen waren so leer dabei, v&amp;ouml;llig leer, kalte Kohle, ohne Emotion, und  ich dachte, nein, das geht nicht, ich kann das nicht, ich will nicht der Wetzstein sein, an dem er sich abarbeitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hab S. bestimmt dreimal weggeschickt und er kam immer wieder an. Jedes Mal nach au&amp;szlig;en h&amp;uuml;ndischer, aber um seine Augen, da war so ein ver&amp;auml;rgerter Zug, eine H&amp;auml;rte, eine Unverst&amp;auml;ndnis, wie ich kleines M&amp;auml;dchen ihm, dem weitgereisten, alles gesehen habenden, das an tun k&amp;ouml;nnte. Das pa&amp;szlig;te nicht in sein Hirn. Er dachte wohl, dass ich einerseits seinen Entschluss testen will, andererseits die harte Tour haben wollte. Den ganzen Mann sp&amp;uuml;ren, der sich nimmt was er will, wenn er sicher ist, aber die Frau noch dusselig rumsteht. Er hatte wohl zuviel dieser Filme gesehen. Jedenfalls fing er an mich im Bett zu beschimpfen. Fotze. Sau. Schlampe. Diese Sachen. Ich fand das extrem merkw&amp;uuml;rdig, aber vielleicht h&amp;auml;tte es mich ein kleines bisschen geil gemacht, wenn da nicht dieses Blitzen in seinen Augen gewesen w&amp;auml;re, dass irgendwas mit Macht und damit zu tun hatte, dass er so seine Verletzung los werden konnte. Ich sagte ihm "Lass dass" und er weinte am Ende wieder. Vor Gl&amp;uuml;ck, meinte er. Nach jeder Trennung machte er was anderes im Bett, und ich kam mir vor wie einen Boxkampf, in dem es um Respekt ging. Aber nicht um meinem, der war ihm v&amp;ouml;llig egal, sondern nur um seinen. &lt;br /&gt;
In meinem Hintern einzudringen war dann aber eine Nummer zu viel. Er h&amp;auml;tte ja wenigstens vorher fragen k&amp;ouml;nnen und ich schoss wie, na ja aufgespie&amp;szlig;t eben, aus dem Bett. Nicht, dass er es nicht h&amp;auml;tte machen d&amp;uuml;rfen. Es interessierte mich schon, wie sich das anf&amp;uuml;hlen w&amp;uuml;rde, aber nicht so. Nicht als Machtbeweis. Es war respektlos. Ich hab ihm eine gescheuert. Ich hab ihn angebr&amp;uuml;llt, er solle sein bl&amp;ouml;des Spiel beenden, aber da er das nicht k&amp;ouml;nne, w&amp;uuml;rde ich das jetzt endg&amp;uuml;ltig machen. Wichser! Wichser! Wichser! Hau ab. Ich hab ihn 10 Minuten lang angebr&amp;uuml;llt, wie eine Furie und er lag im Bett schaute mich bewegungslos an, w&amp;auml;hrend seine Erektion zusammenfiel. Geh wieder nach Beirut, sagte ich ihm, geh das Blut lecken, das brauchst du, keine Frau mit Kind. Ich habe nach der Nacht nur noch ein paar halbherzige Anrufe von ihm bekommen. Die meisten hat mein damaliger Mitbewohner angenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er nicht beim Stern war, bekam ich erst Jahre sp&amp;auml;ter raus, als ich einen kennen lernte, der beim Stern war, und der lachte, als ich den Namen aus meinem Ged&amp;auml;chtnis kramte. Er murmelte was von "Freier" und lachte noch mehr, als ich Beirut erw&amp;auml;hnte. Der ist doch nie s&amp;uuml;dlicher als M&amp;uuml;nchen gewesen. Es zerlegte sich die Geschichte mit ihm immer mehr als ich weiter nachbohrte und mir in hoher Frequenz Gin orderte. Nix Iran, nix Beirut, gar nix. So weit sich der Kollege erinnern konnte, war S. daf&amp;uuml;r bekannt, dass er seine Spesen &amp;uuml;berzog und unp&amp;uuml;nktlich lieferte. Kleine Geschichten, irgendwelche HerzSchmerzSchicksal Dinger, wie "Frau verliert bei Unfall alle Kinder" uns so Sachen. 30 Zeiler. Nichts. Wo er das Geld f&amp;uuml;r seinen Lebenswandel her hatte, wusste wohl keiner, aber das interessierte auch keinen, da war Hamburg damals wohl nicht anders als heute. So lange man so ein Auto hat, so lange man seine Drinks bezahlen kann und gut essen geht, so lange wird das wohl alles seine Ordnung haben. Er wusste auch nicht, was aus S. geworden ist. Halt verschwunden. &lt;br /&gt;
Es ist zwar lange her gewesen, aber es tat trotzdem weh, als ich durch diesen bl&amp;ouml;den Zufall die Geschichte geh&amp;ouml;rt habe. Er tat mir dann irgendwie leid. Wieviel M&amp;uuml;he musste er darauf verwendet haben, diese Storys zu erfinden, wie viel Angst, entdeckt zu werden. Wie viel Gedanken nachts, alleine, ob der L&amp;uuml;gen. Und pl&amp;ouml;tzlich war mir klar, dass er nie wegen mir geweint hatte, sondern wegen seiner L&amp;uuml;gen. Er hatte nie vor Gl&amp;uuml;ck geweint, sondern vor Angst und Scham und vielleicht auch wegen der Erkenntnis, dass er niemals ein reines unschuldiges Gl&amp;uuml;ck haben w&amp;uuml;rde, weil er es mit seinen L&amp;uuml;gen von Anfang an immer wieder versauen w&amp;uuml;rde. Nicht, dass ich danach nicht mehr belogen worden bin. So etwas geh&amp;ouml;rt ja zum allgemeinen Sport. Aber nie mehr so konsequent, nie mehr so kreativ, nie mehr so verzweifelt, wie von S.&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Tue, 05 Oct 2004 20:23:08 GMT</pubDate>
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      <link>http://belledejour.antville.org/stories/907324/</link>
      <description>&lt;P ALIGN="JUSTIFY"&gt;Verschlagworten, einordnen, aufr&amp;auml;umen, sortieren, belegen, beweisen. Was mache so mit ihrem Leben machen, frag ich mich oft. Ich hab schon gen&amp;uuml;gend Probleme damit, mein Leben einzuordnen, aber es gibt doch immer wieder welche, die sich die ganze Zeit damit besch&amp;auml;ftigen, den Dingen ihren Sinn zu geben. Sie einzuordnen in ihr Koordinatensystem, und wenn es nicht passt, dann wird es eben so lange niedergemacht, bis die anderen doch einsehen m&amp;uuml;ssen, wie man es richtig macht. Festgefressenes Ideologiegekrampfe, an dem schon mehr als eine Generation zu Grunde gegangen ist. Hab ich nie verstanden. Diese Arbeit und M&amp;uuml;he, die sich mache da machen. Leben und vor allem die Randbezirke des Lebens in denen man selber wandelt, haben mich immer fasziniert. Ich habe nicht den Anspruch des Verstehens, eher des feinstofflichen Erf&amp;uuml;hlens. Die Sch&amp;ouml;nheit am Abgrund. Muss ich immer alles verstehen? Nope, will ich auch gar nicht. Aber ich schaue es mir an, ziehe hier und da was raus, probiere vieles aus, manchmal zu meinem eigenen Schaden. Aber die Lust, Dinge anders zu erleben, zu erf&amp;uuml;hlen, ist eben immer da. Ich wei&amp;szlig; nicht, was es aus mir macht, aber ich probiers mal aus, dann werde ich ja schon sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugierde hat mir eine Menge Drogenerfahrungen eingebracht. Ich hab meine Nase in knietiefe Kokainteppiche gedr&amp;uuml;ckt und fand es sehr geil, wenn der die kleinen Kristalle durch meine Adern ger&amp;auml;ubert sind, und alles weggerissen habe, was mich bremst. Wie eine wildgewordene Kehrmaschine. Ich hab mir danach auf gr&amp;uuml;nen Badewannenvorleger zwischen die Beine gegriffen, bin mit 220 &amp;uuml;ber die Autobahn gebrettert, die Fenster offen, und auf jeden Fall jenseits von gut und b&amp;ouml;se. Ich hab mir mir auf einem Goa irgendwo im Osten zusammen mit einem gef&amp;auml;hrlich d&amp;uuml;rren Rastamenschen Pilze in den Hals geworfen, solange, bis ich wirklich dachte, ich k&amp;ouml;nnte die Aurafarben der Steine erkennen. Am n&amp;auml;chsten Tag war es mir zwar ein bisschen peinlich, dass ich jedem stundenlang erz&amp;auml;hlt habe, wie toll die Steine doch seien, aber sch&amp;ouml;n war&amp;#8217;s dennoch. Ich habe Extasy genommen und gedacht, das gleich entweder mein Herz zerspringt oder mein Kopf platzt. Was in einem Fall dann zu einer unangenehmen Nacht gef&amp;uuml;hrt hat, weil ich wirklich davon &amp;uuml;berzeugt war, dass gleich mein Herz platzt. Ich hab in einer Wasser/Urinlache neben einem undichten Klo gelegen, meine Hand unter meine Brust gepresst, weil ich dachte, ich k&amp;ouml;nnte das Herz so zusammenhalten, es &amp;uuml;berreden, vielleicht doch nicht zu platzen. Ich sah winzige Haarrisse in den Adern, die das Herz umgeben, sah die Risse gr&amp;ouml;&amp;szlig;er werden, mein Blut in meinen K&amp;ouml;rper str&amp;ouml;men, und es war mir sonnenklar, dass mein Herz dem Druck einfach nicht standhalten k&amp;ouml;nnte, und dass man mich gleich tot in der bl&amp;ouml;den Urinlache in dem bl&amp;ouml;den Club finden w&amp;uuml;rde, und ich hab immer wieder den Namen meines l&amp;auml;ngst toten Hundes gejammert. &lt;br /&gt;
Ich hab mich piercen lassen, hab mich mal aus einem Flugzeug sto&amp;szlig;en lassen, mit zwei Frauen im Bett gelegen, mit zwei M&amp;auml;nnern auch, und einem l&amp;auml;ngst verschollen Freund dabei geholfen, mit meiner besten Freundin ins Bett zu gehen. Ich hab meine Grenzen ausgetestet ich mache das heute wahrscheinlich immer noch, sonst h&amp;auml;tte ich den irren Maler wahrscheinlich l&amp;auml;ngst aus meinem Leben verbannen m&amp;uuml;ssen, weil er ein versoffener Irrer ist, der den Gin schneller wegs&amp;auml;uft, als ich ihn anschleppen kann, und er neulich einen Tobsuchtsanfall bekommen hat, weil ich zu wenig dabei hatte, und er mich angebr&amp;uuml;llt, beschimpft und rumgeschubst hat. Daraufhin hab ich in ein gerade von ihm angefangenes Bild meine High Heels reingedonnert, was ihn derartig fertigmachte, dass ich im ersten Moment dachte, dass er mich jetzt umbringt, aber er hat nur geheult und gesagt, dass ich ihn nicht lieben w&amp;uuml;rde, was vermutlich stimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll man machen? Die Pfade, die man gehen muss, damit man leben kann, sind so vorgegeben. Arbeit, Geld, Miete, Essen, Schlafen. Ich kann Leute verstehen, die das sch&amp;ouml;n finden, die ihr Leben darauf ausrichten, immer weitere Leitplanken zu bauen, immer mehr Netze ziehen, die irgendwann feststellen, dass sie Bully lustig finden, auch wenn dessen Humor noch spie&amp;szlig;iger ist, als der von Peter Alexander, die das brauchen, dass die Grenzen immer enger gesteckt werden, das die Regeln dauerhaft sind, die sagen, dass die vielen neuen &amp;Uuml;berwachungsgesetze ja niemanden st&amp;ouml;ren der keinen Dreck am Stecken hat, die die Di&amp;auml;ten aus der Brigitte/Freundin/Petra machen, weil dieses Jahr die verdammte Modeindustrie die Gr&amp;ouml;&amp;szlig;en wieder runtergesetzt haben, wegen der ganzen M&amp;auml;dchen mit den Winz&amp;auml;rschen, die sonst in der Kinderabteilung ihre Hosen einkaufen m&amp;uuml;ssten. Kann man alles machen, bitte. Aber das ist nicht meins. Ich will was anderes, auch wenn ich vielleicht Gefahr laufe, eine durchgev&amp;ouml;gelte, alte Frau mit schlechten Z&amp;auml;hnen und zu alter Haut zu werden. (Botox, my love). Ich mache den Leuten mit den Regeln keine Vorw&amp;uuml;rfe, ich bemitleide sie nicht. Sie haben ihr, ich hab mein Leben. Ich verstehe nur oft nicht, warum sie ihre Regeln auch unbedingt auf andere ausweiten m&amp;uuml;ssen. Warum sie versuchen, alles und jeden diesen Regeln zu unterwerfen, warum die glauben zu beurteilen zu k&amp;ouml;nnen, ob meine Sicht der Welt richtig oder falsch ist, ob ich etwas verstanden habe, oder immer haarscharf an ihrer vordefinierten Dummheit entlang schramme. Manchmal haue ich meine Nase in einen Kokshaufen, manchmal lasse ich mich auf einem dreckigen Tisch neben vollen Aschenbechern v&amp;ouml;geln, mir blaue Flecken an meinen Br&amp;uuml;sten verpassen lassen, weil ich denke, dass es der einzige Weg ist, etwas zu lernen. Und darum geht&amp;#8217;s ja wohl, ums eigene lernen. Um die eigenen Schmerzgrenzen, um zu sehen, was dahinter kommt, ob der Ekel da ist, oder dieses Kribbeln, dieses Gef&amp;uuml;hl einen verbotenen Schritt gemacht zu haben. Wohin auch immer. Die Erkenntnis ist ja ein alter, lahmer Gaul, der immer als letzter einl&amp;auml;uft.&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Sun, 05 Sep 2004 23:38:36 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>belledejour</dc:creator>
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      <link>http://belledejour.antville.org/stories/901390/</link>
      <description>&lt;P ALIGN="JUSTIFY"&gt;Ich werd ab und an gefragt, warum ich so selten etwas eintrage. Da k&amp;ouml;nnte ich jetzt eine ganze Menge an Gr&amp;uuml;nden auff&amp;uuml;hren, aber vor allem gibt es einen: Wenn ich denn schon mal was schreibe, dann muss es sitzen. Dann muss ich vor allem erst mal selber damit zufrieden sein. Schreiben geh&amp;ouml;rt nicht eben zu meinem Hauptberuf. Zwischendurch macht es mal Spa&amp;szlig;, aber es ist keine Berufung. Oft genug f&amp;auml;llt es mir schwer, auch nur eine Zeile schreiben zu k&amp;ouml;nnen, weil ich das Gef&amp;uuml;hl habe, dass ich zu weit weg von mir selber bin. Oder zu abgelenkt, wegen Arbeit, Privatleben was wei&amp;szlig; ich. &lt;br /&gt;
Ich schreibe &amp;ouml;ffentlich nun bald ein Jahr, und manchmal bin ich erstaunt, welche Reaktionen ich hervorrufe. Warum sich manche an der Art und Weise wie ich schreibe so sehr reiben. Sicher, wenn ich manche Blogs lese, dann f&amp;auml;llt meine Kinnlade auch schon mal sehr weit nach unten, aber drei Sekunden nach dem wegklicken, ist es wieder gut. Mein Leben ist viel zu anstrengend, als das ich mich auch noch &amp;uuml;ber so was aufrege. Warum andere diesen Mechanismus bei sich selber nicht finden, ist mir ein R&amp;auml;tsel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Hartn&amp;auml;ckigkeit, mit denen manche Menschen den Dingen begegnen, die sie nicht versehen, kenne ich aus, jetzt kommt eine gro&amp;szlig;e &amp;Uuml;berraschung, einer Aff&amp;auml;re. Mit einem Berliner Schauspieler. Kennen gelernt hatte ich den auf einer Premierenfeier, auf die mich meine unerm&amp;uuml;dliche Freundin K. hingeschleppt hatte. Die mag so was. Die mag in Charlottenburg rumstehen und Sektgl&amp;auml;ser zwischen den Fingern rollen. Die mag Fummel tragen und sich &amp;uuml;ber Renditen unterhalten. Vor allem aber mag sie Schauspieler. Junge Schauspieler, die zwar ein bisschen was geschafft haben, aber immer noch rotgesichtig nach der Auff&amp;uuml;hrung an der Bierbar rumh&amp;auml;ngen. Da versucht sie gerne mal zu zu greifen, meist ohne Erfolg, weil, sagt sie, Schauspieler ein inzestu&amp;ouml;ses Volk seien, die nur mit sich selber ficken und auch nur dann, wenn sie sicher sind, dass der/die andere auch versteht, was sie machen. Erinnere mich dabei gerade an eine Diskussion mit einer Schauspielerin, in der es darum gibt, ob man sich als Partner eigentlich jemals sicher sein kann, dass die Partnerin einen Orgasmus hatte, und selbst wenn sie hat, ob man den nicht als schlechtes Schauspiel empfindet. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatte K. mich auf diese Premiere geschleppt und sehr viel sp&amp;auml;ter an der Bar orderte ich zwei Wodka f&amp;uuml;r K. und mich, weil wir dachten: "Jetzt ist es auch egal". Ich stand da, sagte "Zwei Wodka" und schr&amp;auml;g hinter mir einer "Drei!". Aus unversch&amp;auml;mt wundersch&amp;ouml;nen Augen blitzte es in meine Richtung und ich sagte "Aber doppelte".  Wenn etwas so schon los geht, dann wei&amp;szlig; man ja wie das endet. Also sp&amp;auml;ter Sex, sehr lustigen, sehr viel sp&amp;auml;ter dann noch mal. Dann war er wieder weg, irgendwo anders spielen, was mir nicht unangenehm war, denn so richtig konnte ich mit ihm nichts anfangen. Gut, Augen. Aber das reicht ja nun wirklich nicht. Auch im Bett war er, eher hmpf. Also lustig, wie erw&amp;auml;hnt, weil er Klassiker w&amp;auml;hrend des V&amp;ouml;gelns beil&amp;auml;ufig runter murmeln konnte, und nach (seinem) Orgasmus immer so h&amp;uuml;bsch aufgedreht war. &lt;br /&gt;
Ich war damals aber gerade auf der Suche nach den unteren Bereichen meines Selbstbewusstseins und Selbstwertgef&amp;uuml;hls, und empfand es als herausragende Idee, dies gerade auch im Bett aus zu probieren. Also gab es ein paar Dinge die wollte. Mit ekstatischen Worten der Unfreundlichkeit bedacht werden. Detaillierten Anweisungen folgen. An den Haaren gezogen werden. Gefickt werden im allgemeinen. &lt;br /&gt;
Dies wiederum stand in v&amp;ouml;lligen Gegensatz zu der Art von Liebe, die der junge Herr im Kopf hatte. Er wollte GROSSARTIGEN, WELTERSCH&amp;Uuml;TTERNDEN Sex, bei dem man sich DAS HERZ AUS DER BRUST REISSEN WILL und man Ende zitternd, vielleicht ein wenig zusammen weinend neben einander lag. [Hervorhebungen von ihm] Das konnte nicht gut gehen, den so was wollte ich nun schon mal gar nicht. Ich wollte lieber von einem Egomanen befriedigt werden, als einem Egomanen zu befriedigen. Das wir in unserer sexuellen Handlungsweise nicht eben parallel tickten, machte ihm auch gro&amp;szlig;e Sorgen. Ich solle mehr positiv denken, sagte er. Ich solle doch die Sch&amp;ouml;nheit des Moments in dem wir alle seit der Geburt doch zum ersten Mal gleich seien, genie&amp;szlig;en, meinte er. Gute Idee, dachte ich, dass mache ich, nachdem ich mich fertig gemacht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was mir nicht klar war, war der Umstand, dass sein Sendungsbewusstsein keineswegs am Theaterausgang aufh&amp;ouml;rte. Er hatte sich vorgenommen, mir zu zeigen, wie das geht, mit dem erf&amp;uuml;llten Sex. Ich s&amp;auml;gte ihn ab. Er lie&amp;szlig; sich nicht von seiner Mission abbringen. Ich ging auf eine Party und knutschte vor seinen Augen mit einem anderen rum. Er schaute mich traurig an und sagte "Ich wei&amp;szlig;, dass Du das nur machst, weil Du nicht anders kannst." Ich sagte "Falsch, weil ich nichts anderes kann". Er war davon &amp;uuml;berzeugt, dass ich etwas falsch mache, er wollte mich gerade biegen. Er wollte es auch dann noch, als er Monate sp&amp;auml;ter eine Freundin hatte. Er rief weiter mindestens einmal die Woche an, er schrieb mir Briefe. Ich sagte immer: "Wir leben einfach andere Dinge. Ich will Dich doch auch nicht von Deinem abbringen, also lass mir mein Leben" Er h&amp;ouml;rte nicht zu. Er sagte: "Du vergeudest das Leben" und ich antwortete "Genau! Du hast begriffen". Hatte er nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte lange, bis er mich in Ruhe lie&amp;szlig;. Irgendwann war er verschwunden in der Provinz, Bielefeld oder so. Einmal sah ich ihn bei "Ein Fall f&amp;uuml;r Zwei" als Kneipenbesucher. Ich verstehe das bis heute nicht, warum man sich an Dingen festklammert, die nicht f&amp;uuml;r einen gemacht sind. Weil man sich was beweisen will? Weil man denkt, dass die eigene Meinung f&amp;uuml;r andere wichtig oder gar ma&amp;szlig;gebend sein sollte? Weil sonst nichts zu tun hat, und was zum aufregen sucht, so in der Art eines Rentners, der Falschparker weitermeldet? Warum nicht einfach mal denken: Nicht mein Leben, finde ich doof, aber ich hab ja meins, dass ich jetzt gerne ohne Unterbrechung weiter leben m&amp;ouml;chte. Wie gesagt, ein R&amp;auml;tsel, aber vielleicht auch einfach nur unterschiedliche Priorit&amp;auml;ten im Leben.&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Mon, 30 Aug 2004 19:35:08 GMT</pubDate>
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      <link>http://belledejour.antville.org/stories/876531/</link>
      <description>&lt;P ALIGN="JUSTIFY"&gt;Kalte Hand am Hintern. Meine wird&amp;#8217;s nicht sein, so verknotet schlaf ich nicht. Achja. Erinnerung. Das ist ja schon mal passiert. Grad gestern morgen. Und davor auch. Und vorher war das Ritual. Der Austausch der digitalen Identit&amp;auml;ten, dann SMSen und mailen. Ich bin eine Wahnsinnige, wenn es um so was geht. Ich will einen Stecker in seinem Kopf haben, damit ich alles rausziehen kann, was mich interessiert, was mich abst&amp;ouml;&amp;szlig;t. Gerade das, was mich abst&amp;ouml;&amp;szlig;t, denn ich will ja einen Grund haben, es nicht zu tun. Das wird, nicht besonders &amp;uuml;berraschend, immer gerne falsch verstanden und am Ende als Interesse ausgelegt. Als Interesse f&amp;uuml;rs Ficken. Dabei will ich &lt;i&gt;eigentlich&lt;/i&gt; abchecken, welche Gr&amp;uuml;nde es geben k&amp;ouml;nnte, genau das nicht zu tun, damit ich am Ende nicht so eine &amp;Uuml;berraschung habe, wie eine kalte Hand auf meinem Hintern von einem kahlgeschorenen Maler, der wahrscheinlich wahnsinniger ist, als ich es jemals in meinem Leben sein kann. Ich meine, wer drei mal drei Meter gro&amp;szlig;e Leinw&amp;auml;nde mit Werbespr&amp;uuml;chen, Blut, Sperma, &amp;Ouml;lfarbe, Wasser, Zeitungsausrissen und halbverbrannten Playmobilfiguren herstellt kann einfach nicht alle beieinander haben. Ich lass mich zur Not in Ketten legen, wenn mir danach ist, mich sp&amp;auml;ter beschissen f&amp;uuml;hlen und mit meinem Selbstverst&amp;auml;ndnis rum zu k&amp;auml;mpfen kann schon mal dazu geh&amp;ouml;ren, aber der wichst auf eine Leinwand, auf ein Britney Spears Bild. &lt;br /&gt;
Angefangen hatte diese, offenbar noch nicht abgeschlossene Episode meines Lebens, auf einer dieser hinterm Hinterhof, rechts, f&amp;uuml;nfter Stock, lila Klingel Treptow mit Wasserblick Parties. Alles wei&amp;szlig;, Porno an Wand, Bier in der Hand, Leute, die man sonst auf attac Demos vermutet, und von denen nun endlich mal wei&amp;szlig;, was sie Abends machen. Ich hatte nach kurzem Augenschein wenigsten ein paar Schwarze, Latinos oder Inder vermutet, aber es gab nicht mal einen der sonst &amp;uuml;blichen Ex-Exil Chilenen, die sonst in der Stadt auf jeder Party rumh&amp;auml;ngen. Es gab, immerhin, gute Musik und meine Hose sa&amp;szlig; auch. Was will man erst mal mehr. &lt;br /&gt;
Dann sp&amp;auml;ter Performance. Performance klingt f&amp;uuml;r mich immer ein bisschen nach cholerischem Trendforschergebr&amp;uuml;ll. Da exaltiert sich einer, weil er was sagen will, und weil er was provozieren will, aus seinem Selbst heraus, das nat&amp;uuml;rlich alle anderen nicht verstehen, weil sie zu doof sind.  Was soll er dann auch sonst machen au&amp;szlig;er br&amp;uuml;llen, denn sonst h&amp;ouml;rt ja keiner zu. Also wurde es still und man h&amp;ouml;rte diese Stimme, die von irgendwo her kam, aber scheinbar nicht aus dem Raum, bis man feststellte, dass da einer hinter den meterlangen, roten Dingern stand, die wohl Bilder sein sollten. Er redete mal leise, mal laut, mal davon, dass er gerne seiner Sozialamtsachbearbeiterin in den Mund pinkeln w&amp;uuml;rde (betroffenes Schweigen der attac Belegschaft), mal erz&amp;auml;hlte er von einem kleinen Hund, den er als Kind hatte, mal wie er Abends &amp;uuml;ber Britney Spears kommen w&amp;uuml;rde, immer mitten in die Fresse rein. Da lachte die attac Gesellschaft und ich auch, aber ich hab dann nicht mehr gelacht, als er mir drei Wochen sp&amp;auml;ter gestand, dass er das tats&amp;auml;chlich machen w&amp;uuml;rde und mich bat dabei zu zu sehen, was ich auch gemacht habe, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Wieder kl&amp;uuml;ger geworden.&lt;br /&gt;
An dem Abend aber noch nicht, da hab ich gelacht, weil ich es einfach absurd fand, dass jemand &lt;i&gt;hinter&lt;/i&gt; seinem Bild steht und es versucht mit Metaphern zu erkl&amp;auml;ren. Metametaebene. Aber das, was dann hinter dem Bild auftauchte, hat mir fast die Stiefel ausgezogen und ich hab unwillk&amp;uuml;rlich den Bauch eingezogen, weil ich die Idee sehr gut fand, dass ich ihn geil machen k&amp;ouml;nnte. Es nicht so, dass mich die &amp;Auml;u&amp;szlig;erlichkeit eines K&amp;ouml;rpers in irgendeiner Form beeinflussen k&amp;ouml;nnte. Ich fand M&amp;auml;nner sch&amp;ouml;n, die mindestens 20 Kilo zuviel auf den Rippen hatten, und wenn ich mit ihnen unterwegs war und eine Tusse meinte "Oh, sehr gem&amp;uuml;tlich", dann hab ich gesagt "Ein Mann ohne Bauch, ist wie ein Zaun ohne Latten" und ich hab das ernst gemeint. Aber der Maler hat eine Figur, die mich "umpf" sagen l&amp;auml;sst. Ein tolles, angedeutetes V, eine kantigen Sch&amp;auml;del, einen Arsch aus Eisen, und selbst wenn er nackt ist, ist es so, als ob er eine zweite Haut tr&amp;auml;gt. &lt;br /&gt;
Viele Biere sp&amp;auml;ter war mir sein Vortrag dann ebenso egal wie seine Bilder von der Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e Andorras. Ich wollte ihn ausziehen, und das m&amp;ouml;glichst schnell. Aber ich war f&amp;uuml;r ihn wohl so eine Mitte-Schlampe, so eine, bei der man schon sehen kann, dass sie bald nach Charlottenburg in eine Altbau-Wohnung zieht und jungen K&amp;uuml;nstlern eine Vernissage verpassen kann, weil sie mal mit einem Galeristen gev&amp;ouml;gelt hat, der Jahre sp&amp;auml;ter seine Bisexualit&amp;auml;t entdeckt hat. Ich war f&amp;uuml;r ihn zu glatt, zu geil, zu anh&amp;auml;nglich. Aber offenbar auch zu leicht ergatterbares Fleisch, als dass er sich nicht gemeldet hat. "Ich dachte," sagte er irgendwann sp&amp;auml;ter, " Du bist so eine, die eine schnelle Troph&amp;auml;e sucht, mal eben mit einem K&amp;uuml;nstler gefickt, aber nicht nach gedacht, warum der K&amp;uuml;nstler ist." Ne, so bin ich nicht, hab ich versichert, und so bin ich auch wirklich nicht, denn wenn ich merke, dass mir einer gef&amp;auml;hrlich wird, dann mach ich eben meine SMS und Mail Arie. Aber ich hab ihn angesehen, ihm zwischen die Beine gegriffen und "Wer wei&amp;szlig;" gesagt. Nur nichts preisgeben.&lt;br /&gt;
Er hat mich dann in seiner Wohnung/Schlafzimmer/ Atelier/K&amp;uuml;che bekocht. Was langweiliges indisches, und er hat mir seine Bilder gezeigt, von denen ich keins verstanden habe, und das mit den vielen Schlieren drauf noch irgendwie spannend fand. Da hab ich &amp;#8222;Pollock&amp;#8220; gesagt, und er hat mich angesehen, und gesagt, dass sei ja toll, er w&amp;uuml;rde Pollock so geil finden, er w&amp;uuml;rde ihn dekonstruieren wollen und noch was oben drauf setzen. Ich hab ihm nicht gesagt, dass das ein echter Zufallstreffer meinerseits war, weil ich Ed Harris so toll finde, der mal einen Film &amp;uuml;ber Pollock gemacht hat. Ich meine, hey, ich wollte diesen Maler wirklich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns unfassbar betrunken. Wir haben so viel getrunken, dass ich fast den Eindruck hatte wieder n&amp;uuml;chtern zu werden. Wir haben die Nacht durch geredet, und haben im Morgengrauen endlich den Tisch zwischen uns beiseite geschoben um im stehen zu ficken. Er mir einfach die Klamotten vom Leib gerissen, mir derartig in meine Brust gebissen, dass ich seinen Gebissabdruck noch eine Woche sp&amp;auml;ter sehen konnte. Er hat mir die Hose und den Slip runter gezogen, mich gegen den Tisch gestellt und ich hab versucht mich abzust&amp;uuml;tzen ohne dass die dreimillionen Flaschen runterfallen. Er hat sich keine Zeit genommen, und von au&amp;szlig;en sah es wahrscheinlich aus, als wenn ein chinesischer Schnellimbisskoch an seinen Wok rumr&amp;uuml;ttelt. Sp&amp;auml;ter noch mal, aber mit mehr Gef&amp;uuml;hl, dann am n&amp;auml;chsten Morgen das erste mal die kalte Hand auf meinem Hintern. Man mu&amp;szlig; mit ihm n&amp;auml;mlich bewegungslos schlafen. Eingerollt auf der Seite &amp;#8211; patsch -  Hand auf dem Hintern. Und es ist egal, ob es drau&amp;szlig;en 30 Grad hat, oder man unter der Decke liegt. Seine Hand wird irgendwann kalt. Wenn man es ihm sagt, dann lacht er und antwortet &amp;#8222;Zuviel Zigaretten, schlechte Durchblutung&amp;#8220; was ich  ihm sofort glaube, wenn er seine F&amp;uuml;&amp;szlig;e unter meine schiebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hab ihn dann mal gefragt, was er da eigentlich macht, mit seinen Bildern. Dann kam eben Pollock und eine lange Erkl&amp;auml;rung, die darauf hinaus lief, dass alles Schlechte aus ihm heraus malen will. Er will es herausbrechen, auskotzen, am liebsten sein Herz aus Brust rei&amp;szlig;en, und das Blut auf der Leinwand verschmieren. Nach einer Malsession ist er ein ersch&amp;ouml;pftes, kleines Kind, vorher ein ekelhafter Berserker. Mit ihm vor einer Malsession zu schlafen, bedeutet Schmerz, Angst und Willk&amp;uuml;r. Dann nimmt er sich, was er braucht, ohne auch nur einen Moment dar&amp;uuml;ber nachzudenken, was ich denke. Dann will er mich auf der angefangenen Leinwand ficken, damit er die Flecken in sein Bild einarbeiten kann. Nach der Session ist weich, warm, leicht, anh&amp;auml;nglich, verletzlich, eine wunde Seele. Manchmal eine Seele, die b&amp;uuml;&amp;szlig;en will. Ich verstehe nicht, was er will. Ich hab keine Ahnung, warum er so ist, wie er ist. Ich wei&amp;szlig; nicht, ob er &amp;uuml;ber mich herf&amp;auml;llt, weil er Angst hat, oder ob wissen will, wann ich ihm eine Grenze setze. Wann ich &amp;#8222;Stop&amp;#8220; sage, weil ich das Gef&amp;uuml;hl nicht mehr ertragen kann, ein Werkzeug zu sein. Und er hat mich benutzt. Ich musste mich auf die Leinwand setzen und es mir selber machen. Er wollte zusehen, hat dabei einen blauen Kreis um mich gemalt und ist fast wahnsinnig geworden, als ich nicht kommen konnte. Er hat mich beschimpft, sich verzweifelt abwendet, als wenn ich eine Sch&amp;uuml;lerin sei, die 1+1 nicht zusammen z&amp;auml;hlen kann. Ich hab ihm gesagt &amp;#8222;Dann fick mich halt hier&amp;#8220; und er hat gesagt &amp;#8222;Das macht das ganze Bild kaputt, du bl&amp;ouml;de Fotze.&amp;#8220; &lt;br /&gt;
Ich wei&amp;szlig;, dass er mich nicht zerst&amp;ouml;ren kann. So etwas wei&amp;szlig; man schnell. Er kann mich an Haken unter die Decke h&amp;auml;ngen, aber ich wei&amp;szlig;, dass er mir nicht weh tun kann. Er sagte neulich: &amp;#8222;Ich mag Dich daf&amp;uuml;r, dass ich Dir nichts tun kann, aber es macht mir auch Angst.&amp;#8220; Da hab ich in mich hinein gel&amp;auml;chelt und ich wusste, dass ich keine Angst mehr vor ihm haben muss.&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Thu, 05 Aug 2004 00:40:28 GMT</pubDate>
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      <dc:creator>belledejour</dc:creator>
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      <link>http://belledejour.antville.org/stories/863593/</link>
      <description>&lt;P ALIGN="JUSTIFY"&gt;Ich hab Taschen voller S&amp;uuml;nden und mein Herz war das letzte Mal rein, als gebeichtet habe. Das musste ich fr&amp;uuml;her mehrfach im Jahr, v&amp;ouml;llig unabh&amp;auml;ngig davon ob ich nun selber von der Ma&amp;szlig;nahme &amp;uuml;berzeugt war, oder nicht. Mit 12 ist man schon der Meinung, dass ein unerlaubter Griff in die Keksdose nicht mehr wirklich ein Grund f&amp;uuml;r den Gang in den Beichtstuhl ist, aber der Vater sah das anders. "Irgendwas," so seine These, "irgendwas wird schon gewesen sein." Und wenn nicht, w&amp;uuml;rde der Gang sicher nicht schaden. Wenn man darauf stand, schwitzend H&amp;ouml;llenqualen in einer Holzkiste auszustehen, dann sicher nicht. Bei mir regierte die Angst und der Ekel. Angst, weil ich mir nie sicher war, ob der Priester wegen seines guten Drahtes nach oben nicht doch irgendwas ausgraben w&amp;uuml;rde, was ich schlicht weg vergessen hatte. Ekel, weil nicht nur er zwischen dem Korbgitter dass mich von ihm trennte in meine Richtung stank, sondern weil der ganze alte Beichtstuhl infernalisch roch. Jahrhundertalter Geruch aus M&amp;uuml;ndern, Achseln ungewaschenen Unterleibern, fettigen Haaren und dem widerlichen 4711 Geruch meiner Vorg&amp;auml;ngerin hatten sich in das dunkle Holz gefressen. F&amp;uuml;r einen Moment musste man immer die Luft anhalten, und diese so langsam wie m&amp;ouml;glich durch die Nase entweichen lassen. Ein stummes Schnauben, den Kehlkopf weit nach oben gedr&amp;uuml;ckt, damit die abgestandene Luft nicht eindringen konnte. Nat&amp;uuml;rlich musste man knien. Das war damals noch &amp;uuml;blich, zumindest bei uns. Man betrat also voller Angst im Bauch und angehaltenem Atem den knarrenden Beichtstuhl, kniete sich auf das abgewetzte, dunkle Leder und wartete darauf, dass sich auf der anderen Seite etwas tat, w&amp;auml;hrend sich die Augen an die Dunkel gew&amp;ouml;hnten. Ein R&amp;auml;uspern, eine dunkle Gestalt die sich nach vorne beugte und die ersten Worte sprach. Das war der Moment, an dem man nicht mehr die Luft anhalten konnte, denn man musste, "Ja, Vater ich habe ges&amp;uuml;ndigt" sagen. Das erste was einem fast das Bewusstsein nahm, war die Mischung aus Beichtstuhlgeruch und Schnaps. Letztere Wolke kam allerdings vom Priester. Ich versuchte meine Nase immer ein wenig zu der Seite zu halten, in der er gerade nicht atmete, aber es war schwer dem bei&amp;szlig;enden Geruch auszuweichen. Jedem Atemzug den er tat, folgte unweigerlich das Ausatmen und mein Kampf mit der &amp;Uuml;belkeit. Den Beichtstuhl verlie&amp;szlig; ich verwirrt und benommen, betete schnell meine "Vater unser" und "Ave Maria" runter und sah zu, dass ich schnell da raus kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In meinem Elternhaus herrschte keine besondere Fr&amp;ouml;mmigkeit. Beide hatten und haben f&amp;uuml;r so was auch viel zu wenig Zeit. Meine Vater arbeitete damals wie heute rund um die Uhr meine Mutter hatte gen&amp;uuml;gend mit sich selbst und wechselnden Wohnungseinrichtungen zu tun. Aber es gab eben bestimmte Traditionen und dazu geh&amp;ouml;rte auch der Beichtgang vor Ostern und Weihnachten. Die Kirche lag nicht weit von unserem Haus weg, und wenn ich aus dem Fenster meines Kinderzimmer schaute, konnte ich den spitzen Turm sehen, der gerade ebenso die h&amp;ouml;chsten B&amp;auml;ume, die unser Grundst&amp;uuml;ck umrandeten, &amp;uuml;bertraf. Wenn ich heute aus dem Fenster schaue, kann ich sehen, dass die B&amp;auml;ume gewonnen haben. &lt;br /&gt;
Der Weg zur Kirche dauerte vielleicht f&amp;uuml;nf Minuten. F&amp;uuml;nf-M&amp;auml;dchen-Gang-Minuten. Aber er kam mir jedes Mal viel zu kurz vor. Die Angst, der Priester w&amp;uuml;rde mich pl&amp;ouml;tzlich an ein Vergehen erinnern, dass ich selbst gn&amp;auml;digerweise verdr&amp;auml;ngt hatte, war immens. Also versuchte ich in den Wochen vor Ostern oder Weihnachten m&amp;ouml;glichst rechtschaffen zu leben. Ich hatte gelernt, dass die Gedanken der Quell allen &amp;Uuml;bels sind. Denke ich was b&amp;ouml;ses, dann ist es um mich und im schlimmsten Fall auch um meine Eltern geschehen. Verdammnis, Glutregen, H&amp;ouml;lle, ewige Qualen. Gut, mit nicht mal 10 Jahren denkt man  so viel b&amp;ouml;ses, au&amp;szlig;er, dass man dem fetten Nachbarjungen w&amp;uuml;nscht, er m&amp;ouml;ge verschwinden oder sich einen Arm brechen, damit endlich Ruhe ist. Doch so was war in meinem Horizont schon so etwas wie ein ausgel&amp;ouml;ster Atomkrieg. Mit 12 sah das etwas anders aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Nachbarjungen hatte ich mittlerweile den Arm gebrochen. Mehr oder weniger zuf&amp;auml;llig. Mein Satz: "H&amp;ouml;her traust du dich nicht?" l&amp;ouml;ste wohl eine Art Imponiergehabe bei ihm aus, obwohl er h&amp;auml;tte wissen m&amp;uuml;ssen, dass die d&amp;uuml;nnen und morschen &amp;Auml;ste des unseres alten Pflaumenbaums ihn niemals tragen w&amp;uuml;rden. Ich hatte nicht gedacht, dass er abst&amp;uuml;rzen w&amp;uuml;rde, aber gehofft hatte ich es sehr. Der kleine, dicke, immer schwitzende Junge sollte runterfallen und sich weh tun. Der gebrochene Arm, der in einem v&amp;ouml;llig l&amp;auml;cherlichen Winkel von seinem K&amp;ouml;rper abstand, war eine Zugabe, die mich erst erschrak, dann freute. Ihn weniger, meine Mutter am allerwenigsten, denn die musste ihn nicht nur ins Krankenhaus fahren sondern auch seiner Mutter den Vorfall erkl&amp;auml;ren. &lt;br /&gt;
Trotzdem hatte ich nicht das Gef&amp;uuml;hl, etwas falsches getan zu haben. Er hatte mich die letzten drei Jahre genervt und mir am Tag zuvor ungefragt seinen Jungenpenis gezeigt. Er hatte sich jahrelang vor meinen Augen mit S&amp;uuml;&amp;szlig;igkeiten vollgestopft, immer mit einer Hand die Schale mit den Gummib&amp;auml;ren (meine Gummib&amp;auml;ren) gegriffen, dann eine Faust, dann die ganze Faust in den Mund, nat&amp;uuml;rlich die dazu passenden Ger&amp;auml;usche nicht auslassend. Er hatte sich den gebrochenen Arm redlich verdient. Fand ich. Also hab ich es nicht gebeichtet und siehe da, es passierte auch nichts. Keine H&amp;ouml;lle, ein Erzengel, der mich aus dem Bettchen klaute, kein Kainsmal. Aha, dachte ich, Gerechtigkeit geht also auch ohne Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besuche im Beichtstuhl wurden noch unangenehmer. In den Beichtstuhl musste ich mittlerweile nicht. Als nach und nach etliche Kirchg&amp;auml;nger das zeitliche gesegnet hatten, verlegte er die Sprechstunde kurzerhand in seine Privatwohnung neben der Kirche. Man durchquerte einen leeren Flur, in dem nur das gr&amp;uuml;ne W&amp;auml;hlscheibentelefon stand und bog direkt rechts in sein B&amp;uuml;ro ab. Mehr als den Flur und B&amp;uuml;ro hab ich nie von der Wohnung gesehen, was mir aber auch nicht unrecht war. In dem kleinen, engen B&amp;uuml;ro eine Art Holzbord zum draufknien, dass neben seinem Schreibtisch stand. Man kniete also vor ihm, w&amp;auml;hrend er sich die S&amp;uuml;nden seiner Sch&amp;auml;fchen anh&amp;ouml;rte. Dem Gestank war man aber deswegen nicht entflohen, man war eher vom Regen in die Traufe gekommen. Zum einen konnte er einem nun v&amp;ouml;llig ungehindert seine Alkoholfahne ins Gesicht blasen, zum anderen roch es in der Wohnung nach Mischung aus alten, nassen Pressspan, Socken, Schwei&amp;szlig;, Kohlsuppe und M&amp;uuml;lleimer. Das war nur um Nuancen besser als dass, was ich vorher erdulden musste. Verschlimmert wurde die Situation dadurch, dass man ihn nun auch sehen konnte. Sein Gesicht mit der breiten, fetten Nase und den vielen kleinen geplatzten Adern, die wie ein Spinnennetz &amp;uuml;ber ihr lagen, seinen fusseligen, roten Bart in dem immer irgendein merkw&amp;uuml;rdiger Fetzen hing, seine langen, abgebrochenen Fingern&amp;auml;gel. Der ganze Mensch l&amp;ouml;ste in mir s&amp;auml;mtliche Fluchtinstinkte aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Mal war ich mit 13 da. Da wollte er pl&amp;ouml;tzlich nicht wissen, was ich so in den letzten Monaten mit meinen Eltern angestellt habe, sondern nur noch, ob ich Nachts auch s&amp;uuml;ndige Gedanken h&amp;auml;tte. Ich tat so, als ob ich ihn nicht verstehen w&amp;uuml;rde, was ziemlich schwierig war, angesichts der Tatsache, dass er die ganze Zeit auf meine nun wirklich noch kaum entwickelten Br&amp;uuml;ste starrte. Das war mir nicht neu, immerhin starrten &lt;b&gt;alle&lt;/b&gt; Jungs in meinem Alter auf die Titten der M&amp;auml;dchen, die schon welche hatten, bzw. es wurden pl&amp;ouml;tzlich Lehrerinnen popul&amp;auml;r, die einen m&amp;ouml;glichst tiefen Ausschnitt hatten, und der K&amp;ouml;nig war der, der einen Zipfel des BHs sehen konnte. Ich hatte noch keinen BH, aber ein enges, d&amp;uuml;nnes Sommerkleid an, als ich da vor ihm kniete. Machte ihn das geil, zu sehen, wie ich da vor ihm kniete? Vielleicht pr&amp;auml;gte er sich das Bild und dachte Abends dr&amp;uuml;ber nach, wie er w&amp;auml;re, wenn ich in die Soutane greifen w&amp;uuml;rde? Ob ich mich ber&amp;uuml;hren w&amp;uuml;rde, wollte er wissen, und mit 13 war ich doch so gewitzt ab dem Moment zu erkennen, was da abging. Ich sagte verwirrt ja, und setzte hinzu, dass man das ja machen m&amp;uuml;sse, wenn man sich morgens zum Beispiel das Gesicht waschen w&amp;uuml;rde. Er l&amp;auml;chelte nur und meinte ?Braves Kind?, aber ich sei nun in einem Alter, in dem die S&amp;uuml;nde es ganz besonders auf mich abgesehen h&amp;auml;tte, besonders Nachts, da w&amp;uuml;rde der Teufel kommen und die H&amp;auml;nde f&amp;uuml;hren, man k&amp;ouml;nne da gar nichts machen, au&amp;szlig;er beten aber die S&amp;uuml;nde sei dann meist schon geschehen. In einem solchen Fall m&amp;uuml;sste ich mir genau einpr&amp;auml;gen, was und wie es geschehen sei, und ihm unverz&amp;uuml;glich Berichterstatten. Ja ja, dachte ich, am Arsch die R&amp;auml;uber, du kannst mich mal. &lt;br /&gt;
Ich bin dann nach Hause gegangen, hab meine Mutter aus der Lekt&amp;uuml;re des Quelle Katalogs gerissen und ihr erz&amp;auml;hlt, dass der Priester mir diesmal so merkw&amp;uuml;rdige Fragen gestellt habe. Danach musste ich nicht mehr beichten gehen. Der Priester ist ein paar sp&amp;auml;ter abgel&amp;ouml;st worden, aus Altersgr&amp;uuml;nden, wie meine Mutter meinte.&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Thu, 22 Jul 2004 17:02:32 GMT</pubDate>
      <guid>http://belledejour.antville.org/stories/863593/</guid>
      <dc:creator>belledejour</dc:creator>
      <dc:date>2004-07-22T17:02:32Z</dc:date>
    </item>
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      <link>http://belledejour.antville.org/stories/848452/</link>
      <description>&lt;P ALIGN="JUSTIFY"&gt;Neuer Monat, neues Blog. Der Dank geht an die &lt;a href="http://mange.antville.org/"&gt;Frau Meisterk&amp;ouml;chin&lt;/a&gt;, die es &amp;uuml;berhaupt erst m&amp;ouml;glich gemacht hat, dass ich nun auch auf dem Antville Server hausen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat etwas l&amp;auml;nger gedauert, der Umzug, aber die Tage bestanden sowieso aus langen F&amp;auml;den aus Zuckerr&amp;uuml;bensirup, die mich langsam einwickelten und immer bewegungsloser werden lie&amp;szlig;en. Ein Zustand der langsamen inneren Verwesung gesellte sich dazu. Dieser Zustand, wenn man zu lange im eigenen Saft gekocht hat, der nun abgestanden ist und bedrohlich stinkt. Man watet missmutig herum und weil es gerade eh nicht so sch&amp;ouml;n ist, kommen auch noch die Zuckerr&amp;uuml;bensiruptage. Da wundert es nicht, wenn man irgendwann hinf&amp;auml;llt. Glatte Ledersohlen auf Kopfsteinpflaster nebst nicht mehr wirklich n&amp;uuml;chtern makes me fall. Der Fall auf den Hintern war gar nicht so schlimm, im ersten Moment musste ich sogar lachen, weil es so absurd war, weil sich alles so zusammenf&amp;uuml;gte, und weil grad keiner kam, bin ich mal sitzen geblieben, hab mir eine Zigarette angez&amp;uuml;ndete, geseufzt w&amp;auml;hrend meine Jeans sich langsam vollsog. Endlich mal nicht aufstehen m&amp;uuml;ssen, wenn man auf die Fresse gefallen ist, dass kam mir gerade recht. Aber so bl&amp;ouml;d mitten auf dem B&amp;uuml;rgersteig rumsitzen war mir dann auch nicht recht, also mich drei Meter auf den Treppenabsatz eines Hauses geschleppt und innerhalb von einer halben Stunde immerhin zweimal die Frage ob es mir gut gehen w&amp;uuml;rde oder ob mich ausgeschlossen habe, beantworten m&amp;uuml;ssen.  &lt;br /&gt;
Aber die Zuckerr&amp;uuml;benf&amp;auml;den hatten gerade gewonnen. Ich konnte mich nicht mehr bewegen, ich wollte da ein wenig sitzen und rumstarren, das Blitzlichtgewitter der Gedanken passieren lassen. Mir fiel S. ein, die Verr&amp;uuml;ckte. Meine erste gro&amp;szlig;e Liebe zu einer Frau. Das erste was ich von ihr sah, waren ihre pechschwarzen Haare, die aus dem Nichts ragten. Sie stand mitten in einem Raum, drumherum das &amp;uuml;bliche Partygewimmel, ich hatte sie nie vorher gesehen aber jemand hatte den Magneten angeschaltet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine bisherigen Erfahrungen mit Frauen beliefen sich auf ein Partygeknutsche mit einer Studienkollegin, f&amp;uuml;r das ich eine Menge Alkoholika gewonnen hatte und &amp;uuml;ber das ich meine damalige Aff&amp;auml;re verlor. Er hatte erstens nicht damit gerechnet dass ich das mache, und zweitens nicht erwartet, dass ich das den restlichen Abend machen w&amp;uuml;rde, w&amp;auml;hrend er linkisch rum stand und sich von seinen Freunden dumme Spr&amp;uuml;che anh&amp;ouml;ren musste. Meine zweite Erfahrung passierte in einem Urlaub vielleicht ein halbes Jahr sp&amp;auml;ter an irgendeinem Strand irgendwo an der Atlantikk&amp;uuml;ste, da wo man halt hinf&amp;auml;hrt, so mit Anfang 20, ohne Geld in der Tasche, nur mit der lauen Sehnsucht nach Ruhe, Luft und sch&amp;ouml;nen Abenden am Meer, mit Freunden, die den Korken in eine Weinflasche reindr&amp;uuml;cken k&amp;ouml;nnen, und wo ich einer sehr, sehr blonden, sehr, sehr durchtrainierten Surferin mit einem wundervollen, unfa&amp;szlig;bar festen Hintern zum Opfer fiel, was v&amp;ouml;llig ok gewesen w&amp;auml;re, h&amp;auml;tte ich nicht zu viel Rotwein getrunken und meine Erinnerungen an den Verlauf der weiteren Nacht eher d&amp;uuml;rftig waren. Der Sch&amp;auml;del am n&amp;auml;chsten Morgen &amp;auml;rgerte mich nur halb so viel, wie die leider verschwommen Erinnerungen, die nicht viel mehr als verknotete K&amp;ouml;rper und eine ungewohnte fremdartig des Sex preisgeben wollten. Und klar, die eigenen Phantasien drehten sich gerne mal um das Thema. &lt;br /&gt;
S. stach also wie ein schwarzes Leuchtfeuer aus der Masse raus und ich hatte im Laufe des Abends eine leise Ahnung davon, wie es sich f&amp;uuml;r einen 15j&amp;auml;hrgen Jungen anf&amp;uuml;hlen muss, wenn er sich in eine acht Jahre &amp;auml;ltere Frau verliebt. Ich l&amp;auml;chelte schief, ich bekam meine Gedanken nicht zusammen, und ich hatte keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte, da ich ja bisher entweder betrunken oder Opfer oder beides war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie arbeitete in einer Kneipe und als ich sie hinter dem Theke stehen sah, wurden mir drei Dinge klar: Erstens, die Frau hatte einen echten Schaden, zweitens, sie war unfassbar sch&amp;ouml;n, auch wenn sie eine Art Maigl&amp;ouml;ckchenkranz in ihrem Haar trug und drittens: das rumort schwer in meinem Bauch. &amp;Uuml;berhaupt war das alles sehr ungewohnt. Ich war es nicht gewohnt, die Initiative zu ergreifen, schon gar nicht &amp;uuml;ber so eine lange Zeit. Ich war es gewohnt, dass andere die Initiative ergreifen, sp&amp;auml;testens dann, wenn ich ihnen das Gef&amp;uuml;hl gegeben hatte, dass sie nun die Initiative ergreifen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr meine Hand auf die Brust zu legen war leicht. Ihre auf meiner zu sp&amp;uuml;ren war anders. Nichts geschah ab diesem Moment langsam. Ich hatte das Gef&amp;uuml;hl, dass alles in Sekundenbruchteilen geschah, dass sich alles im Zeitraffer abspielte. Das es nicht nur zwei H&amp;auml;nde waren, die &amp;uuml;ber meine Haut strichen, sondern vier oder sechs oder zehn. Alles geschah gleichzeitig, ihre H&amp;auml;nde auf meinen Hintern, ihr Kopf zwischen meinen Beinen, ihre Zunge an meinem Hals, in meinem Mund, auf meiner Brust, in mir, ihre langen, so sch&amp;ouml;nen pechschwarzen Haare auf meinem Gesicht, meine H&amp;auml;nde auf ihrer Haut, meine Zunge in ihrem Mund, auf ihren Schenkeln. Alles gleichzeitig, alles viel zu schnell und deswegen wollte ich auch nicht mehr aufh&amp;ouml;ren, auch wenn jede Nervenzelle schon l&amp;auml;ngst doppelt &amp;uuml;berreizt war.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war spannend, am n&amp;auml;chsten Morgen wach zu werden und den R&amp;uuml;cken einer Frau zu sehen, den Hintern, die Beine. Und das ging sogar auch alles eine zeitlang mal gut und blieb spannend. Vielleicht, weil es so neu war f&amp;uuml;r mich, vielleicht, weil wir uns selten sahen, vielleicht, weil sie au&amp;szlig;erhalb des Betts so schrecklich stumm blieb. Sie wollte Haut sp&amp;uuml;ren, sagte sie, das w&amp;uuml;rde mehr geben als jedes Wort und es hatte eine schreckliche Sch&amp;ouml;nheit, wenn sie nach den Ber&amp;uuml;hrungen meinen Arm nahm und ihn um sich legte. Manchmal dachte ich, dass sie gleich weinen wird, das irgendwas rausbrechen w&amp;uuml;rde, aber sie schlief immer nur friedlich ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nat&amp;uuml;rlich blieb das nicht so. Es legten sich die ersten Schatten auf die Sache und mir wurde klar, dass ich meiner eigenen Versuchung erlegen war. Und meinem atlantischen Verlust. Ich wollte eine Frau, ich wollte einen Schritt weiter gehen, ich wollte einen neuen Berg, einen neuen Kick. Ich wollte meine H&amp;auml;nde in einen Scho&amp;szlig; bergen. Ich wollte mit einer Frau schlafen, ich wollte ausprobieren, was f&amp;uuml;r mich geht. Ich wollte H&amp;auml;nde, Haut und Zunge. Sie wollte ein Bett f&amp;uuml;r ihre Seele. Und sie war das Medium, mehr nicht. Und je mehr mir das klar wurde, desto st&amp;auml;rker regte sich mein Fluchtinstinkt, auf den ich mich blind verlassen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte jahrelang nicht mehr an sie gedacht, bis zu dem Moment, wo ich auf den feuchten Stufen eines Hauseingangs sa&amp;szlig; und Kette rauchte. Wahrscheinlich ist mir die ganze Geschichte wieder eingefallen, weil ich die Unbeschwertheit vermisse, die ich mit ihr Bett gesp&amp;uuml;rt habe. Diesen leichtsinnigen, explosiven Verlust der letzten Jungfr&amp;auml;ulichkeit. Das gab es danach nie mehr. Ich hab noch viele Sachen ausprobiert, aber diese Leichtigkeit, diese umfassende Gl&amp;uuml;ckseligkeit, die gab es nicht mehr, weil es entweder eine Wiederholung war, oder weil ich seitdem meine Mechanismen besser kenne, und genau wei&amp;szlig;, dass ich Dinge ausprobiere, weil ich wieder diesen Kick erwarte, von dem ich ahne, dass er nicht kommen wird. Vielleicht h&amp;auml;ufen sich deswegen auch die Zuckerr&amp;uuml;bensiruptage.&lt;/p&gt;</description>
      <pubDate>Fri, 09 Jul 2004 22:38:13 GMT</pubDate>
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